Rund 8 Millionen Menschen engagieren sich hierzulande ehrenamtlich im Sport. Zweifelsohne eine beeindruckende Zahl und in jedem Fall etwas worauf wir in Deutschland zurecht stolz sein können. Und dennoch: Laut der letztjährigen Sportentwicklungsberichte des DOSB sehen Sportvereine gerade hier eines der größten Probleme, denen sie sich aktuell und in Zukunft ausgesetzt fühlen. Gemeint ist die Bindung und Gewinnung ehrenamtlicher Helfer – eine der tragenden Säulen des deutschen Vereinswesens droht wegzubrechen.

 

Deutschland altert – ein Trend der sich zwangsläufig auch in der Altersstruktur vieler Vereine widerspiegelt. Du wirst es mit Blick auf deinen eigenen Verein sicher bestätigen können: Abläufe im Vereinen stehen und fallen an vielen Stellen mit engagierten Silver Agern, die sich schon seit Jahren in den Verein einbringen. Doch was kommt danach? Nicht allzu viel – bedauerlicherweise! Ob mangelnde berufliche Flexibilität, grundsätzlicher Zeitmangel oder fehlende Mobilität – die Gründe sich ehrenamtlich nicht zu engagieren sind leider Gottes vielfältig.

 

Erschwerenderweise kommt hinzu, dass ehrenamtliche Tätigkeiten über die Jahre per se vielschichtiger geworden sind und heutzutage vermehrt auch (semi-) professionelle Fachkenntnisse abverlangen. Man denke exemplarisch an Aufgaben in der IT-Administration eines Vereins. Doch wo sollen entsprechende Kompetenzen bei solch einer misslichen Lage erschlossen werden? Sind es doch oftmals die selben vereinsinternen Kreise aus denen Helfer rekrutiert werden.

 

Neue Wege in der freiwilligen Vereinsarbeit gehen

Es gilt zweifelsohne neue Wege einzuschlagen, um das Ehrenamt gerade für jüngere Generationen wieder sexy zu machen. Denn: Studien zeigen, dass die Bereitschaft sich ehrenamtlich zu engagieren auch bei jüngeren Menschen grundsätzlich vorhanden ist. Oftmals sind jedoch andere Barrieren einfach zu hoch, seiner grundsätzlichen Bereitschaft auch Taten folgen zu lassen. Ein Umdenken ist gefordert. Administrative Strukturen müssen erneuert und Vereinsphilosophien angepasst werden, um das Ehrenamt in vielen Punkten zeitgemäßer zu interpretieren.

 

Wie so oft könnte ein möglicher Lösungsansatz in der besseren Nutzung digitaler Technologien liegen. Das Zauberwort lautet online-gestützte Freiwilligenarbeit. Gemeint sind jene Tätigkeiten, die digital über das Internet abgebildet werden können. Die Vorteile liegen auf der Hand: Eine höhere örtliche und zeitliche Flexibilität bei der Erledigung anfallender Aufgaben. Definitiv ein Argument PRO ehrenamtlichen Engagements. Besonders wenn sich Vereinen daraus Möglichkeiten ergeben, fachliches Know-how überregional zu erschließen.

Think digital

Dass bestimmte Tätigkeiten bereits vielerorts digital durchgeführt werden, ist in heutigen Zeiten sicherlich kaum noch anders vorstellbar. Dennoch soll dieser Beitrag dazu sensibilisieren einen Schritt weiterzugehen. Es gilt sich selbst und vorherrschende Vereinsstrukturen zu hinterfragen. Bieten unsere vereinsinternen Prozesse die Potenziale, auch weitere Tätigkeiten online abzubilden und so jene Barrieren einzureißen, die viele Menschen aktuell an einer ehrenamtlichen Tätigkeit hindern? Wären wir theoretisch in der Lage, die administrativen Tätigkeiten zur Aufrechterhaltung des Tennisbetriebs aus der Ferne zu ermöglichen? Können Plätze online gebucht, Mitglieder inkl. ihrer Zahlungseingänge online verwaltet oder Turniere online geplant werden? Können wir möglicherweise sogar den Zutritt zu unseren Anlagen digital organisieren? Digitale Informations- und Kommunikationstechnologien ermöglichen all dies bereits längst. Vereinsintern muss nur ein Umdenken stattfinden. Ein Umdenken, welches weg von “Das haben wir doch immer schon so gemacht” hin zu “Um unseren Verein nachhaltig weiterzuentwickeln, sollten wir das einfach einmal ausprobieren” führt.

 

Was bedeutet das für meinen Verein?

Es wäre vermessen, online-basierten Freiwilligenarbeit als Substitut traditioneller Freiwilligenarbeit zu verstehen. Das Engagement der Helfer vor Ort wird nach wie vor die vereinsinternen Abläufe am Leben halten. Und dennoch: Die Digitalisierung wird auch vor deinem Verein nicht halt machen. Verschließt euch nicht vor ihr, sondern seid offen gegenüber den Chancen, die sie für euch bereithält. Um seinen Verein zukunftsträchtig ausrichten zu können und auch gegenüber alternativen Sportangeboten konkurrenzfähig zu bleiben, wäre alles andere fahrlässig. Hier erfährst du welche Auswirkungen die Digitalisierung auf unser Sportverhalten hat.

 

Macht euch die Vorteile der Digitalisierung ebenso für eure ehrenamtlichen Tätigkeiten zu nutze. Automatisiert Prozesse und bildet Aufgaben mittels digitaler Technologien schlanker ab. Zeitliche und örtliche Flexibilität kommt euren Helfern entgegen. Passt das Ehrenamt also so gut es geht ihren Bedürfnissen und Lebensumständen an. Müssen Spartenversammlungen immer zwangsweise im Vereinsheim stattfinden oder würde es auch einmal eine Videokonferenz tun? Versucht digital zu denken.